Mein Weg zu Olympia-Bronze
Bettina Plank lebt und liebt Karate seit sie im Alter von 9 Jahren ihr erstes Training daheim in Feldkirch besuchte. „Die Mama hätte mich lieber im Balletttraining gesehen, doch nach langem Betteln durfte ich, sehr zur Freude meines Vaters, doch das Probetraining beim Karateclub Götzis absolvieren“, erzählt die Kumite-Europameisterin in der Klasse bis 50 Kilogramm von 2015.

Erster Wegbegleiter war Trainer Dragan Leiler, der 2003 seinen eigenen Verein in Mäder, zu dem Bettina Plank gemeinsam mit ihren Nachbar-Buben wechselte, gründete. Von 2006 bis 2011 besuchte Plank das Sportgymnasium Dornbirn, mit 16 Jahren wurde sie in das Österreichische Karate-Nationalteam aufgenommen.

Nach ihrem Schulabschluss 2011 wurde die Vorarlbergerin beim österreichischen Bundesheer als Leistungssportlerin aufgenommen. Bis 2013 war das Heeresleistungszentrum in Dornbirn, Vorarlberg, ihre Homebase. Seit 2015 trainiert Bettina Plank im Olympiazentrum Sportland Oberösterreich in Linz, bei Karate-Do in Wels und greift zusätzlich auf die Trainingsangebote und das Know-how im Olympiazentrum Vorarlberg zurück. Zweimal (2015, 2016) wurde Bettina Plank in Vorarlberg und zweimal in Oberösterreich (2016, 2021) zur Sportlerin des Jahres gewählt.

Das große Ziel der Europameisterin 2015, Vize-Europameisterin 2018, 2019 und WM-Bronzemedaillengewinnerin 2016, 2018 in der Klasse bis 50 Kilogramm der letzten Jahre waren die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Plank: „Nachdem Karate ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen worden war, war mir klar, da möchte ich dabei sein. Eine Medaille bei Olympia, dafür lohnt es sich mit viel Freude und Fokus über Jahre zu arbeiten.“

Ein großes Ausrufezeichen auf ihrem Weg Richtung Olympia-Debüt setzte Bettina Plank bei den European Games Ende Juni 2019 in Minsk mit dem Gewinn der Goldmedaille im Finale gegen die Nummer 1 der Welt.

Dann kam die Pandemie und damit die historisch einmalige Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 auf 2021. Was den Qualifikationsweg auch nicht gerade leichter machte. Am Ende schaffte Bettina Plank als einzige Vertreterin von Karate Austria den Sprung nach Tokio.

Mangelnde Nervenstärke kann man Bettina Plank wahrlich nicht attestieren. Bei kaum einer Athleten stimmt das Gerede von der einmaligen Chance so sehr wie bei der 29-jährigen Karateka. Für sie und ihren Sport ging in Tokio ein Fenster auf, das sich mit den zu Ende gehenden Spielen auch schon wieder schließt, denn bereits 2024 in Paris ist Karate nicht mehr Teil des olympischen Programms. Die Vorzeichen, um diese Once in a Lifetime Chance zu nutzen, waren alles andere als rosig. Dennoch war Plank zur Stelle.

Erst spät auf den Olympiazug aufgesprungen, nicht in Form, mental angeschlagen, in einer Gewichtsklasse mit schwereren Gegnerinnen zusammengelegt und dann auch noch mit einer Auftaktniederlage in den Bewerb gestartet – es sah eigentlich nicht danach aus, als würden Bettina Plank und die Olympischen Spiele noch große Freunde werden.

Doch genau diese Auftakt-Niederlage am 5. August 2021 gegen die japanische Weltmeisterin Miho Miyahara brachte Plank auf den Erfolgskurs in Richtung Bronze-Medaille. “Ich habe dort gemerkt, dass ich mich wohl fühle auf der Matte und eine gute Performance bringen kann”, sagte die in Oberösterreich lebende Vorarlbergerin in den Interviews danach trocken, sprach damit aber an, was ihr im Vorfeld so lange gefehlt hatte.

“Das ganze Jahr hatte ich noch kein gutes Gefühl auf der Matte, kein Selbstvertrauen, wie sollte ich da erwarten können, dass es ausgerechnet bei Olympia kommt. Das war einfach nicht realistisch”, gab Plank zu. “Deswegen war der Fokus für mich, von Runde zu Runde das abzurufen, was ich kann und was in mir steckt. Egal was dabei rauskommt, ich wollte sagen können, dass ich alles auf dieser Matte gelassen habe.”

Das gelang Plank so gut, dass sie es selbst kaum fassen konnte. Minutenlang tänzelte sie in den Katakomben des altehrwürdigen Nippon Budokan vor den Bildschirmen umher, in Erwartung des finalen Gruppenergebnisses. Selbst als sie an Position zwei aufschien, damit den Halbfinaleinzug und eine Medaille fixiert hatte, traute sie dem Ganzen noch nicht. “Es war unreal”, gibt sie zu. “Ich hatte mit diesem Traum in der Quali schon abgeschlossen. Es hat mir dann wahnsinnig viel bedeutet, überhaupt hier auf der Matte stehen zu dürfen. Dass ich jetzt eine Medaille habe, kann ich gar nicht glauben.”

Aus der Deckung angreifen zu können, half der Athletin des Karate-Do Wels. “Ich wusste, dass ich in keiner Favoritenrolle bin. Mir war klar, was ich von mir erwarte, aber das waren keine Resultate”, sagt sie. Eine Taktik, die aufging.

“Es war mein Tag. Ich bin mega happy und stolz, das ist definitiv das Größte das ich erreicht habe”, strahlt Plank. “Ich habe heute Dinge gemacht, von denen ich selbst nicht wusste, dass ich sie machen kann. Ich bin über mich hinausgewachsen.” Und das zum denkbar günstigsten Zeitpunkt.

Steckbrief Bettina Plank
Geburtsort
: Feldkirch
Geburtstag: 24.02.1992
Größe: 163 cm
Gewicht: 50 kg
Größte sportliche Erfolge:
Bronze bei den Olympischen Spielen Tokio 2020
Gold und Silber bei den European Games 2019 bzw. 2015
Bronze bei den Weltmeisterschaften 2016, 2018
Gold bei der EM 2015